Hotelzimmerbräune

Endlich. Teil zwei unserer Neapel-Geschichte. Und wie bereits in Teil eins hat hier Christoph das Sagen. Nur ich, ja genau ich, mache den Anfang …

Jedes Mal, wenn ich an einem Gepäckband stehe, erwarte ich nicht, dass unsere Koffer wirklich auftauchen würden. Meistens werde ich dann aber doch enttäuscht. Sie tauchen fast immer auf. Und auch hier, in Neapel, ist es nicht anders. Als wir den Flughafen verlassen, weht uns der warme Wind entgegen. Die Sonne strahlt vom tiefblauen Himmel herunter. Italienischer Frühling, wie schön.

Wir waren kaum vier, fünf Schritte gegangen, da nahm man uns die Koffer bereits aus den Händen. Ein Taxifahrer, unglaublich eifrig uns zu transportieren, packt in Windeseile die Koffer in seiner Kofferraum, während sein Kollege mit uns um dem Preis feilscht.

„Tentra Euro“

„No, the hotel said 19€“

Er winkt ab, schimpft, lacht. Wir einigen uns schließlich auf 24 €. Uns war nach der bisherigen turbulenten Anreise eigentlich schon alles egal und wir wollten nur noch ins Hotel um uns etwas auszuruhen und uns frisch zu machen.

Die Via Toledo in Neapel. Blick von unserem Hotelzimmer.

Es beginnt eine der schlimmsten Autofahrten, die ich je miterlebt habe. Straßenregeln und einen geordneten Verkehr scheint es in Neapel nicht zu geben. Durch einen Kreisel quetschen sich Autos aus jeder Richtung auf drei Spuren. Der Straßenbelag ist so schlecht, dass wir kaum ruhig sitzen können. Den Fahrer scheint das nicht zu stören. Mit 60km/h schlängelt er sich durch den dichten Verkehr von Neapel. Die Hupe ist dabei sein bester Freund. Wo sie in Deutschland als Warnsignal und für ein Überholmanöver genutzt werden darf, heißt sie in Neapel mehr etwas wie „Achtung hier komme ich“. Der Fahrer scheint sich sichtlich über meine Verwunderung zu amüsieren. Er wedelt mit der Hand durch die Luft und macht Geräusche wie ein Windstoß. Was auch immer das bedeuten soll.

Die Fahrt bis zur Santa Brigida dauert gute 25 Minuten.  Als wir ankommen, springt der Taxifarer hektisch aus dem Auto, entlädt unser Koffer und ergreift das Geld. Und verschwindet. Da stehen wir nun, am Straßenrand und suchen nach irgendeinen Hinweis auf unser Hotel. Doch weit und breit ist nichts zu sehen. Wir beschließen um die nächste Ecke zu gehen und landen in einer dunklen, engen Gasse. Doch auch hier gibt es keinen Hinweis auf unser Hotel. Als wir schließlich den Komplex einmal umrundet haben und wieder am Ausgangspunkt angekommen sind, werfen wir einen Blick auf die Klingelschilder an genau der Tür, wo uns der Taxifahrer rausgelassen hatte. Tatsächlich. Da steht es. Hotel Santa Brigida.

Begrüßungsgetränk im Hotelzimmer.

Ich klingele und erkläre kurz darauf der antwortenden Dame auf Englisch, dass wir gerne einchecken möchten. Es summt und die große Tür öffnet sich. Wir treten hindurch und finden uns plötzlich in einem Innenhof wieder. Ein paar Autos sind an der Hausmauer geparkt und durch ein offenes Garagentor können wir in eine Werkstatt blicken. Wir befinden uns mitten in Neapel, doch es ist wunderbar ruhig. Ein Schild weist uns den Weg zum Fahrstuhl, doch nach einem kurzen Blick darauf beschließen wir, doch lieber die Treppe nach oben zu nehmen, denn wirklich zuverlässig sieht er nun nicht gerade aus. Und so kommen wir schließlich in dem vierten Stock an. Durchgeschwitzt. Die Dame an der Rezeption empfängt uns lachend und fragt, ob wir den Lift nicht gefunden hätten. Nein, haben wir nicht, lügen wir.

Da sind wir nun in unserem Hotel inmitten von Neapel. Die Empfangsdame zeigt uns das liebevoll eingerichteten Zimmer, von denen es nicht mehr als 20 in dem Hotel gibt.  Die Zimmer sind äußert stilvoll und modern eingerichtet und verfügen zudem über einen Balkon mit Blick auf die Via Toledo, der belebtesten Straße Neapels. Doch laut ist es nicht in unserem Zimmer. Ganz im Gegenteil.

Wir genießen die Ruhe und entspannen uns. Doch als erstes wollen wir unter die Dusche springen. Als ich unter der Dusche stehe und das Wasser laufen lasse, muss ich stutzen. Es ist braun. Braunes Wasser läuft an meinem Körper bis zu den Füßen herunter.

Stilvolles Ambiente in der Lobby.

Nach einigen Minuten scheint es schließlich aufzuklaren, doch als ich mich mit dem Handtuch abtrockne, wird das Gegenteil sichtbar: Das vormals weiße Handtuch ist ebenfalls braun. Und meine Haut immer noch. Da ist man weniger als zwei Stunden in Neapel und schon ist der Körper wie nach einem langanhaltenden Sommer gebräunt. Normalerweise kenne ich das Phänomen nur, wenn eine Dusche länger nicht benutzt wurde und man dann das Wasser zum ersten Mal wieder laufen lässt. Doch das hier ist ein Hotel mit regelmäßigen Besuchern. Wie kann das sein? Oder ist braunes Wasser für Neapel normal? Als Google darauf keine zufriedenstellende Antwort liefern konnte, fragen wir schließlich an der Rezeption nach. Eine Erklärung bekommen wir zwar nicht, sondern lediglich den Hinweis, das Wasser noch viel länger laufen zu lassen. Na gut. Und tatsächlich, es wir klar. Nach vielen Minuten. Wir sprühen die Fakebräune von unserer Haut runter, packen unsere Rucksäcke und machen uns auf Neapel zu erkunden.

Teil 1 von Neapel, gibt es hier.


Mehr Städtetrips?

 

 

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2 Gedanken zu “Hotelzimmerbräune

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