Schneelust

Mein Portemonnaie ist immer übervoll. Nicht, weil sich so viel Geld darin befindet (schön wärs!), sondern weil ich es viel zu selten aussortiere. Und so befinden sich haufenweise Bahntickets, Kassenzettel oder Bonuskarten dort drinnen, obwohl ich sie gar nicht mehr brauche. Als ich das letzte Mal mein Portemonnaie aussortierte, entdeckte ich meinen America The Beautiful Pass. Ein Jahr kann ich mit diesen Ticket jeden USA Nationalpark besuchen ohne jedes Mal dafür Eintritt zahlen zu müssen. Noch bis September 2018 ist er gültig. Ob ich es bis dahin noch in einen USA Nationalpark schaffe, steht bisher noch in den Sternen.

Nationalparks, wie hier den Yellowstone, kenne ich eigentlich nur aus den USA.

Nationalparks – lange waren sie für mich ein Synonym für unglaublich schöne Gegenden in den USA und Kanada. Die Wälder, die ich aus Deutschland kannte, konnten mit meinen dortigen Eindrücken einfach nicht mithalten. Doch seit ein paar Jahren lerne ich Deutschland immer mehr ein wenig besser kennen. So auch den Harz, der inzwischen nur noch einen Katzensprung von mir entfernt liegt. Früher hatte ich mir immer weiße Weihnachten gewünscht. Selten wurde dieser Wunsch mir erfüllt. Irgendwann wandelte ich den Wunsch etwas ab, denn wenn weiße Weihnachten schon so unrealistisch waren, dann wünschte ich mir halt Schnee im Dezember. Wegen der Adventsstimmung. Doch auch dieser Wunsch wurde mir immer seltener erfüllt. Der Dezember wurde für mich ein Monat mit Regen, Matsch und einem viel zu warmen Ostwind. Oder so. Bis ich schließlich in den Harz fuhr.

Schnee Anfang Dezember. Willkommen im Winterwonderland.

Wir wollten eigentlich nur eine kleine Spritztour machen und mein neues Auto einfahren. Es war kalt, doch nach Schnee sah es weit und breit nicht aus. Aber der Dezember war zu diesem Zeitpunkt noch lang. Wir fuhren die kurvigen Straßen in die Berge hoch und mit meinem neuen Auto kam ich mir irgendwie vor wie in so einem typischen Werbespot von Audi oder VW. Und plötzlich – so als ob jemand „Schnipp“ gemacht hätte – war alles weiß. Auf den Tannen lag eine zentimeterdicke Schneeschicht, der geräumte Schnee am Straßenrand war ebenfalls beachtlich hoch. Als ob ich plötzlich in einer anderen Welt gelandet wäre, so kam es mir zumindest vor.

Ich, der Rodelneuling.

Eigentlich hatten wir kein Ziel. Wir brauchten auch keins. Auch ohne anzuhalten, machte es unglaublich viel Spaß durch die wunderschöne Schneelandschaft zu fahren. Doch irgendwann drückte es mir auf die Blase. Der Zufall wollte es, dass wir uns gerade in der Nähe von Torfhaus befanden. Wir suchten uns einen Parkplatz, was mitten in der Woche auch kein Problem ist, und erkundeten den kleine Ort. Überall lag massenhaft Schnee. Da ich das einfach nicht erwartet hatte, war das Erlebnis gleich noch viel schöner. Von Torfhaus hatte man bei gutem Wetter zudem auch noch einen super Blick auf den Brocken. Wir gingen ein wenig spazieren, schauten uns die Rodelbahn an und statteten dem Nationalpark-Besucherzentrum einen kurzen Besuch ab. Anschließend ging es weiter zur Bavaria Alm, wo wir in gemütlicher Atmosphäre zu Mittag aßen.

Mir gefiel es in Torfhaus. Der Schnee strömte eine unglaubliche Ruhe aus. Und so kam es, dass wir beschlossen kurz darauf wieder nach Torfhaus zu fahren. Dieses Mal mit schneetauglicher Kleidung und einem Schlitten zum rodeln. Schnee und Rodeln – ich habe nur eine einzige Erinnerung aus meiner Kindheit als das möglich war. Sonderlich spektakulär war das nicht. Aber nun hatte ich die Gelegenheit ein Stück Kindheit nachzuholen: Indem ich in einer Mordsgeschwindigkeit den Berg runter raste. Nun ja, schnell war ich wirklich nicht. Ich war sogar ziemlich langsam. Aber es machte Spaß. Sehr viel Spaß sogar. Nur das Hochziehen des Schlittens war im Anschluss nicht so toll und ziemlich anstrengend. Was soll’s, das gehört nun mal eben dazu. Und nächsten Winter werde ich garantiert wieder nach Torfhaus fahren.


Schöne Ecken in Deutschland? Gibt es hier:

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10 Gedanken zu “Schneelust

  1. Ich glaube, als Erwachsener kann man im Schnee noch einmal den Übermut erleben, den man als Kind beim Herumhüpfen im Bett empfand. Man kann sich einfach fallen lassen, einen Schneeengel machen …
    Bei dem Yellowstone-Foto fallen mir wieder diese extrem schlank gewachsenen Nadelbäume auf, also die, bei denen die konische Form unserer „Weihnachtsbäume“ kaum ausgeprägt ist. Weißt Du zufällig, wie genau diese Art heißt? Ich habe neulich im Netz danach gesucht, aber keine eindeutige Antwort gefunden.

    • Das könnten vielleicht die Lodgepole Pines, zu Deutsch Küsten-Kiefer, sein. Zumindest wimmelt es davon im Yellowstone geradezu.
      Der Vergleich mit dem als Kind im Bett herumhüpfen gefällt mir, denn ich denke, dass es wirklich so ist.

      • Ja, das könnte stimmen. Über die war ich auch irgendwann gestolpert, etwas verwirrt dadurch, dass sie ähnliche Wuchsformen zeigen kann wie unsere märkische Kiefer, aber viele Exemplare auch einen Umriss haben, der fast an Zypressen erinnert.

  2. Wir Niedersachsen unterschätzen auch immer die Schneemöglichkeiten hier. Ich wohne am Sollingrand (Niedersachsens zweitgrößtes Mittelgebirge nach dem Harz) und ich muss auch nur ein paar Meter den Berg hochfahren plötzlich bin ich in tief verschneiter Landschaft 🙂

    • Das stimmt wirklich. Ich als gebürtige Niedersachsin kann das bestätigen. So richtig mit den Möglichkeiten und Landschaften, die meine Umgebung bietet, beschäftige ich mir erst seit ein paar Jahren. Davor habe ich immer von weit entfernten Zielen geträumt ohne festzustellen so etwas direkt vor der Tür zu haben.

  3. Der Thüringer Wald und ganz besonders der Bayrische Wald (Arber 1450m hoch) würden dir sicher auch gut gefallen. Vom Feldberg im Schwarzwald ganz abgesehen.

    Ich sehe immer wieder, dass sich viele Menschen im Ausland prima auskennen, in ihrem eigenen Land jedoch nur bis zum Horizont schauen.

    Versuch’s mal. Deutschland hat mehr schöne Flecken als viele andere Länder.

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