Steinreich, irgendwie.

Die Reise war geplant, der Koffer mental bereits gepackt und der Appetit auf Frühstück bei Dennys, Steak beim Outback und die 98¢ Süßigkeiten vom Waltmart war groß, sehr groß sogar. Doch dann erfuhr ich, dass ich sozusagen steinreich bin. Nicht auf dem Konto, sondern in meiner Gallenblase – und diese zeitnah raus sollte mitsamt ihren Steinen. Doch weil ich mit einem Fuß schon fast im Flieger stand, beschlossen wir trotzdem die Reise anzutreten. Hallo Colorado, zeig mir deine Schonkost! 

Das Gefühl einfach in den Tag hineinleben zu können und sich kaum Gedanken über irgendwas machen zu müssen, ist eines der Dinge, weshalb ich Roadtrips so liebe. Doch dieses Mal war alles anders. Ich wusste, dass jederzeit meine Steine mir einen Strich durch die Rechnung machen konnten. Die nächste Kolik lauerte in mir und wartete nur darauf mich in dem unpassendsten Moment wieder zu Boden zu zwingen. Fetthaltiges Essen, Eier, Kaffee, Alkohol, Kohl. Das alles war plötzlich für mich tabu. Noch nie hatte ich mich daraufhin so eingehend mit Lebensmitteln und deren Etiketten beschäftigt, noch nie habe ich mir so sehr den Kopf darüber zerbrochen was ich in Amerika Essen könnte. Roadtrip und Flexibilität gehören für mich zusammen, denn ein Roadtrip besteht für mich eben aus Flexibilität. Doch plötzlich war ich nicht mehr flexibel und das gefiel mir gar nicht.

„Wenn ich nichts finde, dann esse ich halt ’nen Salat.“

Ich studierte eingehend die Speisekarten. In größeren Städten war das kein Problem, denn die Karten enthielten alle Informationen, die ich benötigte, um abschätzen zu können, ob ich die Speise essen kann oder lieber drauf verzichten sollte. Doch je weiter unser Roadtrip uns gen Westen führte, desto übersichtlicher wurden die Karten und desto weniger Informationen waren vorhanden.

Picknick in den Rocky Mountains.

Was ich schnell lernte: Nimm nie den Salat, denn der hat genauso viele Kalorien wie ein Burger. Mit Reis, Hühnchen und gedünstetem Gemüse war ich schließlich besser bedient. Morgens gab’s viel Obst und mittags machten wir Picknicks in den Nationalparks. Frischkäsebagels, Tomaten, Möhren. Wunderbar.

Ich bin auf dieser Reise nicht verhungert. Stattdessen habe ich viel neues probiert und versucht. Und es hat funktioniert. In diesem Roadtrip war ich kolikfrei und ich gebe den Steinen nur die Schuld daran, dass ich es bei den Great Sand Dunes nicht bis nach ganz oben geschafft habe, aufgrund des zusätzlichen Gewichtes von rund 30 Steinen.

Inzwischen bin ich aber nicht mehr steinreich. Stattdessen bin ich reich an Erfahrungen. Heute geht es mir wieder gut. Und das ist alles was zählt.

 


2 Gedanken zu “Steinreich, irgendwie.

  1. Seit Weihnachten letzten Jahres bin ich auch um 44 Steine leichter und jede Menge Erfahrungen reicher …. ich hatte nie zuvor irgendwelche Kolliken oder andere Beschwerden diesbezüglich. Ich dachte zuerst es sind starke Blähungen, die ich früher mal hatte, aber durch Ernährungsumstellung schon lange nicht mehr. Deshalb quälte ich mich noch über 24 Stunden um dann zum 25.12. in die Notaufnahme zu fahren …. Bei mir war die Gallenblase so extrem groß, dass gleich am nächsten Morgen operiert wurde. Da es meine erste Operation und Krankenhausaufenthalt war, sage ich gerne nochmal Danke aus tiefstem Herzen an alle Menschen die im Waldfriede Krankenhaus in Berlin arbeiten. So viel Empathie und Hilfsbereitschaft die ich empfunden habe, dass meine Ängste schnell verflogen sind. Ich wünsche dir beste Gesundheit gerade auch in diesen Tagen. Herzliche Grüße Nandi

    1. Oh nein, das klingt ja auch wirklich heftig. Vor allem, dass du vorher nie Koliken hattest und dann alles plötzlich so schnell ging. Und dann auch noch an Weihnachten.
      Bei mir war es auch die erste Operation und der erste Krankenhausaufenthalt und ich hatte mich die Wochen zuvor auch sehr verrückt gemacht deswegen, obwohl es am Ende nicht schlimm war und ich mich dort wirklich gut aufgehoben gefühlt hatte.
      Ich wünsche dir auch alles Gute und beste Gesundheit in dieser Zeit!
      Liebe Grüße,
      Anne

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