See Ya Later, Alligator!

Im Endeffekt geht es immer ums richtige Timing. Wenn man einen günstigen Flug schießt, gutes Timing. Wenn man Ecke Hyde Park Corner steht um Fotos zu machen und Her Majesty the Queen persönlich an einem vorbei chauffiert wird, gutes Timing. Wenn man, auch wieder in London, ein Stück Pizza essen will und plötzlich auf einer Filmpremiere mit Mr George Clooney landet, ebenfalls gutes Timing. Doch wenn man weiß, dass gutes Timing Voraussetzung ist, dann findet man sich in einem Teufelskreis der Planung, Hoffnung und Akzeptanz wieder. Man plant, obwohl man weiß, dass es nichts bringen find. Man hofft darauf, dass es trotzdem klappt. Und man akzeptiert schließlich, dass es eben nicht so ist. Und das Ganze wiederholt sich immer und immer wieder.

Wer Florida zum ersten Mal bereist, der sollte sich die Everglades nicht entgehen lassen. Das sagen nicht nur zahlreiche Reiseführer, Insta-Influencer oder das Tourismusinformationszentrum von Florida höchstpersönlich, sondern auch ich. Nicht allein nur wegen der Alligatoren, sondern auch wegen der sehenswerten Flora und Fauna. Aber seien wir mal ehrlich, wenn man schon mal da ist, dann will mach natürlich auch Alligatoren sehen. Und zwar echte, keine dressierten die einem gerne mal im Anschluss einer Airboat Tour gezeigt werden.

Aufgepasst und hingesehen!

Sowieso eine tolle Sache mit dem dröhnenden Gefährt durch die Sümpfe in praller Hitze zu fahren – nicht. Das röhrende Teil verscheucht nicht nur jeden halbwegs  intelligenten Alligator, sondern auch alle anderen Tiere im Umkreis von mehreren Meilen. Dementsprechend war meine erste Airboat Tour Enttäuschung pur und irgendwie minderte das auch meine Lust die Everglades weiter zu erkunden.

Doch getreu meinem Motto „Man muss die Everglades mal gesehen haben, wenn man in Florida ist“, führte es mich ein zweites Mal in den Nationalpark. Denn meine bessere Hälfte war im Gegensatz zu mir eben noch nie da gewesen. Daher übernahm ich beim zweiten Besuch die Planung. Und dieses Mal wollte ich eines unbedingt: Einen Alligator sehen, in freier Wildbahn, authentisch.

Wir entschlossen uns den Anhinga Trail zu wandern. Der Trail befand sich rund 6 Kilometer vom Visitor Center entfernt und führte über mehrere Brücken durch die Sümpfe. „Ideale Ausgangslage für all diejenigen, die sich für Wildlife interessieren“ – so wurde der Wanderweg offiziell beschrieben. Und da das gut klang, machten wir uns schließlich auf den Weg.

Wir sahen viele Tiere. Vögel, deren Namen wir nicht kannten. Grillen, wo wir aufpassen mussten, dass wir sie nicht platt treten (sie hatten dieselbe Farbe wie das Holz der Brücken und zogen es vor sich in der prallen Sonne niederzulassen – also genau dort, wo wir lang gingen) und jede Menge Geckos. Lange beobachtete ich die Sümpfe, in der Hoffnung zwischen Geäst und Seerosen irgendwo den schuppigen Panzer eines Alligatoren zu sehen.

Verglichen mit all den anderen Abenteuerlustigen auf die wir so trafen, verbrachten wir am meisten Zeit damit die Sümpfe mit unseren Augen abzusuchen. Vergebens. Doch wir warteten. Beobachteten.

Und plötzlich war er da.

Und verloren nur teilweise unsere Geduld. Bis sich schließlich einer der Baumstämme langsam in Bewegung setzte und in unsere Richtung schwomm. Da hatten wir bereits zwanzig Minuten in die gleiche Richtung gestarrt ohne zu merken, dass  es sich bei dem Baumstamm gar nicht um einen Stamm handelte, sondern schlichtweg um einen gut getarnten Alligator. Und so wir er auf uns zugeschwommen kam – mit gefletschten Zähnen, einem irren Grinsen, und wachsamen Augen – hatte er wohl sichtlich Spaß gehabt uns so hinter’s Licht zu führen. Diese naiven Touristen, es ist doch immer das Gleiche.


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