Pompeji

Pompeji

 

Was ist ein perfekter Tag für dich?

Wenn du mich fragst, dann war es ganz sicher der Tag als wir nach Pompji fuhren. Wir hatten einen groben Plan, jedoch mehr auch nicht.

Ich hatte vorher recherchiert, dass man Vesuv und Pompeji nicht an einem Tag machen sollte und doch fand ich es äußerst praktisch, dass die beiden Sehenswürdigkeiten so nah beieinander liegen. Absolut beratungsresistent machten wir uns also auf den Weg.

 

Den ersten Teil der Strecke fuhren wir mit einem Zug, eingeengt zwischen zahlreichen anderen Touristen. Es war heiß, stickig und ziemlich unbequem. Die besten Voraussetzungen also für einen Ausflug, den man in Erinnerung behält. In Ercolano Scavi stiegen wir dann in einen Bus um, der uns bis zum Fuße des Vesuvs brachte. Von dort ging die Reise zu Fuß weiter. Schritt für Schritt, bergauf. Je höher wir kamen, desto kühler und windiger wurde es. Oben angekommen, hatten wir auf der einen Seite einen wunderbaren Ausblick über den Golf von Neapel, auf der anderen Seite einen Blick in den Krater, der, nun ja, eben aussah wie ein Krater. Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit wir dort oben verbrachten, doch auf jeden Fall war der Gang bergab wersentlich angenehmer, auch wenn es mit jeder Minute wieder wärmer wurde. Unten wieder angekommen befanden wir uns schließlich in der prallen Mittagssonne und warteten auf den Shuttle, der uns zu unserem nächsten Stop bringen sollte: Pompeji.

Dass die Stadt ausgestorben wirkt, sollte mich nicht überraschen, aber, dass sie wirklich so ausgestorben war, hätte ich nicht gedacht. Wo waren all die Touristen, die mit uns im Zug saßen? Wo waren all die Menschen, in den zahlreichen Shuttles am Vesuv? Beinahe mutterseelenallein machten wir uns auf den Weg durch die Gassen, vorbei an den Ruinen in denen einst das Leben pulsierte. Wir passierten das große Forum, sahen uns das Theater an, schlenderten vorbei an Bädern, Häusern und Gärten. Wir ließen uns treiben, hatte keinen Plan, was wir uns anschauen wollten und verweilten dort, wo es uns am Besten gefiel. Doch es kam wie es kommen musste: Wir verliefen uns. Es war bereits 18 Uhr, vielleicht sogar noch später, und wir hatten uns bereits ziemlich weit vom Eingang fortbewegt. Ich wusste nicht, wann der letzte Zug Richtung Neapel fahren würde, was mich ein wenig beunruhigte. Doch bevor wir uns weiter Gedanken darüber machen konnten, stießen wir auf jemanden, der „offiziell“ aussah. Zumindest trug er eine lange, schwarze Stoffhose, ein blaues Hemd und um seinen Hals hing eine Karte, die ihn eben offiziell aussehen ließ. Und aus diesem Grund fragten wir ihn nach dem Weg. Ein fataler Fehler, wie sich schnell rausstellte.

 

Anstatt uns unsere Frage direkt zu beantworten, fühlte er sich dazu berufen uns eine eigene private Tour zu geben. Alles schön und gut, doch wenn man mir sagt, was ich fotografieren soll, dann hört bei mir der Spaß aus. Während meine bessere Hälfte sich dem ganzen halbwegs interessiert hingab (was für Kulturbanausen wir doch sind!), schlurfte ich gedankenverloren hinterher. Pompeji ist sehenswert, keine Frage. Doch irgendwann hat man auch genug. Oder ich hatte genug. Zwischen all den Ruinen zu wandern, sich vorzustellen, wie die Menschen hier damals gelebt haben und vom Vulkanausbruch überrascht worden sind, löst ein beklemmendes Gefühl aus. Ich blickte zum Vesuv. Der blaue Himmel und die letzten Sonnenstrahlen des Tages tauchten ihn in ein wunderbares Licht. Wie unschuldig er doch aussah. Als ob keine Gefahr von ihm ausgehen würde. Und während ich meine Gedanken kreisen ließ, erzählte uns unser selbsternannter Guide im Detail wie die Menschen damals hier gelebt hatten. Interessant, keine Frage. Doch ich hatte irgendwann definitiv genug. Wir verabschiedeten uns von unserem Guide (nicht ohne ihm ein großzügiges Trinkgeld zu geben, natürlich …) und warteten am Eingang auf den nächsten Zug.

Es war schon spät als wir wieder zurück in Neapel ankamen. Wir machten uns schnell im Hotel frisch und verließen es gegen 22 Uhr wieder. Auf der Suche nach einem Restaurant, schlenderten wir durch die Gassen bis wir schließlich eines fanden. Oder es uns fand, je nachdem. Da meine bessere Hälfte Appetit auf Spaghetti Carbonara hatte, jedoch eben dieses typische Gericht auf der Speisekarte fehlte, versprach uns der Kellner uns eine wunderbare Carbonara zu machen. Also nahmen wir Platz, vor dem Lokal, an einem runden Tisch mit einer karierten Tischdecke. Wir tranken Weißwein und eine Cola aus der Glasflasche. An uns vorbei fuhren die Neapolitaner auf ihren Vespas, eine ältere Dame hing noch ihre Wäsche auf dem Balkon auf und ein paar Kinder spielten mit einem Ball. Eine kühle Brise wehte durch die Gassen. Und ich denke mir: Was für ein perfekter Tag.


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Ein Gedanke zu “Pompeji

  1. Liebende Pompejianerin

    Der perfekte Tag ist mir danke Deiner Frage
    Für Dich Ihn Sie alles und alle Freude schöner Götterfunke sein zu dürfen
    Und wenn apokalyptisch hier in Wörthsee war gerade ein Hagelsturm
    Der Vesuv erneut erbricht ist jeder Koffer zu groß
    Den mitzunehmen dem Vogel nur die Schwingen lähmt…

    Danke dafür mich auf Deine Reise mitgenommen zu haben
    Dir Joaquim von Herzen

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