Irgendwo in einer Bucht …

„Und, schon was interessantes gesehen?“, werde ich gefragt. „Hmmm“, meine ich und blinzel durch die Sonnenbrille. „Eben war der Brautvater da und hat sich mit der Fotografin unterhalten. Und die Trauzeugin hat das Gedeck und die Blumen inspiziert.“ Ein wenig komisch ist es schon, denke ich mir. Immerhin liegen wir hier noch am Strand in unserer kleinen Bucht und in weniger als zwei Stunden soll eben an diesem Strand geheiratet werden.

Der Steg am Drift Hotel, Key Largo.

Nur wenige Stunden zurvor, als wir im Hotel eincheckten,  wurden wir darüber informiert, dass der Strand abends für ein, zwei Stunden wegen eines Events nicht zugänglich sein würde. Dass es sich bei dem Event um eine Hochzeit handelte, wurde uns erst bewusst als wir zum Strand schlenderten. Der Strand war klein, aber mir gefiel er. Ein langer Steg führte in die Bucht hinein und wegen der Hochzeit hatte man einen Bogen aufgestellt und mit Blumen geschmückt. Ein paar festlich gedeckte Tische befanden sich ebenfalls am Strand und die letzten Vorbereitungen für das Buffet liefen. Während wir in der Bucht schnorcheln, bereiten die Hotelangestellten alles weitere vor. Weder wir noch die ließen sich stören. Penibel genau wurde der feine Sand geharkt, Kabel für die Musikanlage wurden verlegt. Was für ein schöner Ort, dachte ich mir.

Ich genoss es in der Sonne zu liegen, die sanfte Brise auf meinem Gesicht zu spüren und das doch relativ entspannte Drumherum zu beobachten. Es gab Momente, in denen ich mich ein wennig beobachtet fühlte, doch meist war es nur ein Leguan, der sich in der Sonne zu mir gesellte.  Als schließlich irgendwann der DJ auftauchte, beschlossen wir den Abend woanders ausklingen zu lassen. Die Hochzeit würde bestimmt bald beginnen. „Eigentlich schade, dass wir den Sonnenuntergang heute nicht sehen können. Die Hochzeit ist bestimmt genau dann.“ Da musste ich ihm recht geben. Das war wirklich schade, denn wir hatten nur diese eine Nacht an diesem wunderbaren Ort gebucht. Doch es half nichts. Wir gingen zu unserem Bungalow und machten uns für das Abendessen fertig.

Kein Sandstrand, der direkt ins Meer führt, dafür aber klein und fein.

Key Largo. Es war nun fast zehn Jahre her als ich das letzte Mal hier gewesen bin. Damals nur auf Durchreise. Key West war das Ziel gewesen, doch dieses Mal wollte ich mir mehr Zeit für die Keys nehmen. Ich war jedoch ein wenig zu spät dran, denn Hurrikan Irma hatte vergangenes Jahr ganze Arbeit geleistet. Zerstörte Häuser, gekenterte Boote, umgestürzte Bäume. Noch nicht alles war wieder aufgebaut worden oder in Takt. Ich versuchte mich daran zu erinnern, wie Key Largo damals ausgesehen hatte. Doch ich bekam kein Bild vor Augen. Gefühlt gab es auf Key Largo auch nicht viel zu entdecken. Wir hatten es mit ein, zwei öffentlichen Stränden versucht, aber hier kündigte sich bereits eine Seegrasplage an. Umso besser war es, dass wir so früh ins Hotel einchecken konnten. Doch nun war es Zeit für das Abendessen. Und wir beschlossen zu Denny’s zu fahren.

Tierischer Besuch.

Ich muss damals knapp über drei Jahre gewesen sein als ich das erste Mal bei Denny’s war. Die Dinerkette gibt es so gut wie überall in ganz Nordamerika und ein Besuch bei Denny’s gehört für mich einfach zu einer USA Reise dazu. Normalerweise zieht es uns dort immer zum Frühstück hin, doch wenigstens ein Mal wollten wir dort auch zu Abend essen. Auf Key Largo bot es sich uns nun an. Es war ein kurzer weg von unserem Hotel dorthin. Und genauso schnell wie wir dort waren, waren wir auch mit dem Essen fertig. Die Sonne war noch nicht einmal untergegangen. „Vielleicht sind sie ja schon fertig mit heiraten.“ Wie das klingt. Da sollen zwei mit ihrer Hochzeit hinne machen, damit zwei andere den Sonnenuntergang am Strand genießen können. Nun ja, so sind wir halt.

Doch wir hatten Glück. Als wir am Hotel wieder ankamen, war von der Hochzeitsgesellschaft  weit und breit nichts zu sehen. Also gingen wir zum Strand. Und stutzten. Die Musik war aus, der Tisch immer noch so schön gedeckt wie wenige Stunden zuvor. Nichts war angerührt worden. Nicht einmal Fußspuren im frisch geharkten Sand konnte man erkennen. Geheiratet hatte hier niemand. Aber warum nicht?

Wenige Minuten nach uns kam die Hochzeitsfotografin um die Ecke und machte noch ein paar weitere Fotos. Es brannte uns auf der Zunge und daher fragten wir sie, was geschehen war. „Oh nein, das war keine echte Hochzeit“, lachte sie. „Das war ein Event für Hochzeitsplaner!“ Und es stellte sich heraus, dass das Hotel in Zukunft Hochzeiten ausrichten möchte und deshalb einige ansässige Hochzeitsplaner eingeladen hatte. Dazu die Fotografin, einen DJ, den Caterer. Kein Wunder. Und plötzlich kamen sie alle. Auch die beiden, die ich für Trauzeugin und Brautvater gehalten hatte, waren dabei. Sie alle bewunderten die Aussicht und warteten auf den Sonnenuntergang. Wir entfernten uns ein wenig von der Menge und gingen bis zum Ende des Steges. Hier hatten wir unsere Ruhe und konnten die Aussicht genießen. Plötzlich hörten wir Schritte hinter uns. Es war die Fotografin, die auf uns zukam. Wir würden so ein tolles Motiv abgeben. Ob sie uns fotografieren dürfte, so wie wir da sitzen. Natürlich durfte sie. Und so saßen wir da. Bis die Sonne längst hinterm Horizont verschwunden war.


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