Übern‘ Teich fliegen

Die Turbulenzen waren unglaublich stark und dauerten bereits über eine Viertelstunde an. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nicht mehr. Landen, das war alles was ich wollte. Jedoch war das absolut unmöglich, so mitten über dem Atlantik. Richtige Flugangst hatte ich nie. Doch trotzdem, irgendwann kann immer mal etwas passieren. Und so wie ich an diesem Tag durchgeschüttelt wurde, war ich mir schon fast sicher, dass wir es nicht mehr nach Panama City schaffen würden.

Doch wir schafften es. Natürlich. Im Nachhinein kommen die eigenen Sorgen einem unglaublich lächerlich vor, doch im Endeffekt waren sie berechtigt. So starke Turbulenzen wie auf diesem Flug hatte ich schon verdammt lang nicht mehr gehabt. Doch nach der Ankunft wartete die nächste Ungewissheit auf uns: Sind die Koffer mitgekommen? Wird die Einreise problemlos klappen? Und das wichtigste: Werden wir abgeholt und zum Hotel gebracht werden? Nun, die Einreise verlief überraschenderweise ziemlich schnell. Jedoch warteten wir anschließend umso länger auf unsere Koffer. Einzig allein die Tatsache, dass nach dreißig Minuten immer noch sehr viele aus unserem Flugzeug mit uns am Gepäckband warteten, gab mir den Anlass zur Hoffnung, dass unsere Koffer irgendwann doch noch auftauchen würden. Und so war es. Nach 45 Minuten schier endlosem Warten waren sie endlich da. Wir verließen mit unserem Koffern den Terminal und gerieten in eine undurchsichtige Menschentraube. Viele Schilder mit Namen wurden hochgehalten, doch unserer war nicht dabei. Hatte die Einreise und das Warten auf die Koffer zu lange gedauert? War niemand informiert worden? Mussten wir uns selber ein Taxi nehmen? Dabei stand ganz klar im Kleingedruckten der Buchung „Inklusive Shuttle zum Hotel“. Nun ja, es war sehr, sehr kleingedruckt. Doch plötzlich, und schon wieder hatte ich die Hoffnung beinahe aufgegeben, kam ein Panamaer angerannt, ein Schild mit unseren Nachnamen über seinem Kopf haltend. Auf Spanisch redete er auf mich ein, ich antwortete ihm auf Englisch. Obwohl er mich scheinbar nicht verstehen konnte, führte er uns nach draußen zu einem Wagen. Während wir einstiegen, verstaute er die Koffer im hinteren Teil des Wagens. Und dann ging die Fahrt los.

Unser erstes Ziel: Das Sheraton Bijao Beach Resort.

Unser Ziel war das Sheraton Bijao Beach Resort in der Provinz Coclé auf der Pazifikseite. Von Panama City aus sollte es gut zwei Stunden Fahrt dorthin dauern. Nicht, weil die Strecke dorthin so unglaublich lang war, sondern eher, weil wir über den Panamalkanal mussten, es jedoch nur zwei Brücken darüber gibt, die prinzipiell immer vom Verkehr verstopft sind. Ich hatte keine Ahnung wie lang die Fahrt wirklich dauerte. Wahrscheinlich hatte uns der Fahrer darüber informiert, doch da weder meine Ohren noch mein Kopf auf Spanisch eingestellt waren, bekam ich davon nichts mit. Stattdessen sah ich zu, wie die Sonne langsam unterging und als mich schließlich nur noch Dunkelheit umgab, sank ich in einem undurchsichtigen Halbschlaf.

Ich wurde erst wieder richtig wach, als wir von der Panamericana in eine kleine Seitenstraße abbogen. Auf dem letzten Schild an der großen Straße hatte ich aus dem Augenwinkel noch „Bijao“ lesen können. Wir waren also angekommen. Doch trotzdem fuhr der Wagen noch weiter. Wir passierten die erste Schranke, wir passierten die zweite Schranke. Schließlich kam noch eine dritte Kontrolle und als wir die hinter uns hatten, kam das Hotel auch endlich in Sicht. Wir waren angekommen. Endlich.

Sonnenaufgang über dem Meer.

Die erste Pauschalreise seit sechs Jahren. Ein komisches Gefühl, irgendwie. Obwohl ich eigentlich wusste, dass hierbei weniger schief gehen kann als bei einer selbst organisierten Reise, denn immerhin konnte man sich ja jederzeit an den Reiseveranstalter wenden, hatte ich trotzdem ein komisches Gefühl. Vielleicht einfach, weil ich es so nicht mehr gewohnt war. Die Organisation in die Hände anderer zugeben. Doch das komische Gefühl war unbegründet. Alles klappte reibungslos. Unser Reiseveranstalter war Neckermann, der jedoch mit einem in Panama ansässigen Partner kooperierte. Gebucht hatten wir die Reise hingegen über nix-wie-weg.de. Auch das Buchen sowie der Support bei nix-wie-weg.de klappten im Vorfeld problemlos. Zudem war der Preis im Vergleich zu einer Direktbuchung bei Neckermann günstiger. In Panama selbst waren wir dann zwar auf uns gestellt, aber auch das lief einwandfrei. Tagestrips, Ausflüge und Shuttles von unserem Hotel aus organisierten wir uns selbst. Mein Spanisch wurde jeden Tag besser und gelegentlich traf man dann doch auch mal auf den ein oder anderen der Englisch sprechen konnte. Im Endeffekt wurde es dann, trotz des turbulenten Anfangs, eine entspannte Reise. Und auf dem Rückflug blieben wir dann auch von Turbulenzen verschont.


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12 Gedanken zu “Übern‘ Teich fliegen

  1. Eine schöne Anreisebeschreibung, die bei mir gleich zwei Gedankensprünge rückwärts ausgelöst hat. Ein Wortspiel, bei dem in einem Wort nur ein Vokal enthalten sein darf, der aber möglichst oft – und Panamakanal ist das einzige Wort, das mit einfällt, mit 5 As. Der andere Gedankensprung führte zu dem alten Josef Neckermann, wie er kerzengerade auf seinem Dressurpferd saß – eine Institution auf den Turnierplätzen.

    Turbulenzen sind schon sehr unangenehm, aber wirklich Angst hatte ich nur ein Mal, und zwar vor möglichen Eruptionen meines Sitznachbarn. Ein Italiener, der stöhnte und sämtliche Heilige anflehte, während wir, einem Gewitter, das der Pilot umflogen hatte, nun folgend, Richtung Málaga einschwebten. Naja, schweben ist nicht der richtige Ausdruck.

    • Das ist eine wirklich interessante Idee für ein Wortspiel. Ich habe gerade überlegt, ob mir spontan noch eine längere Variante einfallen würde, muss aber passen.

      Oh jee, das klingt ja auch nach einem Horrorflug. Ich hatte leider auch mal das Pech neben einem zu sitzen, der das Geschaukele gar nicht vertrug. Da konnte der Flug auch nicht schnell genug vorbei gehen, obwohl es da gar nicht so viele Turbulenzen gab

      • Wie heißt es so schön? Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. (Matthias Claudius)

  2. Oh je, ich fliege Sonntag über Panama nach Frankfurt, ich hoffe da haben wir nicht soviele Turbulenzen … schade nur, dass ich keinen Zwischenstopp in Panama selbst machen kann, da hätte ich jetzt ziemlich Lust drauf :)

  3. Auf dem Flug von Chicago zurück nach Deutschland vor einigen Jahren ist unser Flieger in einen Schneesturm geraten und es hat mächtig geruckelt. Deine Beschreibung hat mich gerade wieder daran erinnert – Gerade, wenn man über einer riesigen Fläche Wasser schwebt, wird einem da doch mulmig… :(

  4. Klingt super toll. Danke fürs liken meines letzten posts, sonst wäre ich nicht auf deinen tollen Blog aufmerksam geworden :)

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