Herr Müller, entspannen Sie sich!

Er war nicht entspannt, der Herr Müller. Ganz und gar nicht. Er wollte nicht sitzen bleiben, aber gehen wollte er auch nicht. Ein wenig Krawall und Remmidemmi und das ganze kurz vor Weihnachten. Gut, dass Herr Müllers Odyssee auf Video für Normalreisende wie mich festgehalten wurde.

Auf Youtube ist das Video schon mehr als ein Jahr online, aber mir ist es erst gestern auf Facebook in die Hände gefallen. Folgendes Video zeigt wie Herr Müller in einer Lufthansa-Maschine, die eigentlich von Bogota nach Frankfurt fliegen sollte, das Recht versucht durchzusetzen, einen anderen Sitzplatz zu bekommen. Wegen des Kindergeschreis um ihn herum. Doof nur, dass insgesamt neun Kinder/Babys an Bord sind und es wohl keinen Platz im gesamten Flugzeug gibt, wo Herr Müller seine Ruhe hätte. Das versuchen ihm auch die Lufthansa Stewards zu erklären. Aber schaut selbst:

Herr Müller macht mich wütend. Aus vielen Gründen. Erstens, ich hätte selbst keine Lust mir die ganze Zeit Kindergeschrei anzuhören. Niemand hat das. Auch nicht Super-Duper-All-American-Helikopter-Eltern.  Aber würde ich deshalb so einen Aufstand machen? Nein. Weil ich weiß, dass kein Kind 12 Stunden durchplärrt (und falls doch: Herzlichen Glückwunsch an die Eltern, das Kind hat wunderbar ausgebildete Lungen. Für solche Fälle habe ich Oropax dabei. Und Musik). Zweitens, ich hätte noch weniger Lust neben solch einem Ziegenkopp wie Herrn Müller zu sitzen. 12 Stunden. Ohne Fluchtmöglichkeit. Mecker, mecker, mäh, mäh, mäh. Nein Danke. Drittens, wegen solcher Idioten haben Flugzeuge Verspätung. Und dadurch verpassen Reisende ihre Anschlussflüge. Und ratet mal wessen Flugzeuge andauernd Verspätung haben und wer auch schon den ein oder anderen Anschlussflug verpasst hat? Ich, natürlich.

Nun ja, ziemlich oft, wenn ein Flugzeug sich bei mir verspätet hatte, dann lag es schlichtweg daran, dass irgendwas kaputt war. Sei es das Klo (British Airways), ein Triebwerk (Lufthansa), ein kompletter A380 (ebenfalls Lufthansa) oder die Abdichtung der Flugzeugdecke (KLM), irgendwas ist immer. Aber das ein oder andere Mal wurde kein Grund genannt. Und wisst ihr, was ich nun denke? Der Müller war’s. Der Müller hat Schuld. Der Müller kann es nur gewesen sein.

Warum unser Flug nach Zürich ausfiel? Keine Ahnung. Aber der Müller war’s bestimmt. Warum wir den Anschlussflug damals in Atlanta verpassten? Keine Ahnung. Aber der Müller war’s bestimmt. Warum ich mich im April im Ted Baker Store in Heathrow so abhetzte und unser Flug dann doch noch ne Stunde Verspätung hatte? Ich geb‘ mal nen Tipp: Der Müller war’s.

Irgendwie gefällt mir die Vorstellung meine ganze Verspätungswut auf Herrn Müller zu entladen. Endlich habe ich einen greifbaren Grund. Egal ob dreißig Minuten, zwei Stunden oder ein Komplettausfall: Der Müller war’s. Mir ist schon bewusst, dass nicht immer der Müller hinter der Verspätung stecken kann. Nein, ich bin ja nicht doof. Hinter Müller verbirgt sich das personifizierte Unheil, die allumfassende Lösung und vor allem: Die Antwort, nach der ich schon so lange suchte.

Und nach so vielen Erkenntnissen sollte ich mich eigentlich bedanken, bei ihm, dem Herrn Müller. Aber nein, das tue ich nicht. So sarkastisch ich auch gerne bin, aber bedanken werde ich mich nicht. Denn Herr Müller ist schlichtweg ein großes Arschloch. Bitte. Danke.

Und sollte ich selbst mal einem Herrn Müller begegnen, was sage ich dann?

Herr Müller, entspannen Sie sich.


Mehr Randale gibt’s hier:

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2 Gedanken zu “Herr Müller, entspannen Sie sich!

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