Zwischen Staub und Menschenmassen

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Ich wollte ja unbedingt wieder auf ein Festival. Doch da das Lineup von RaR, Hurricane & Co. mich nicht so umgehauen hatte und es terminlich nicht passte, entschied ich mir für das Lollapalooza in Berlin. Am vorletzten Wochenende war es schließlich soweit. Hier ein kleines Fazit. 

Es ist Mitte September und die Sonne strahlt über Berlin. Wir reisen am Freitag an, obwohl das Festival erst Samstag losgeht. Da unsere Airbnb-Unterkunft aufgrund des Airbnb-Verbots in Berlin gecancelt wurde, mussten wir uns quasi Last-Minute noch ein Hotel suchen. Wir haben Glück, dass im Motel Plus in Neukölln noch ein Zimmerchen für uns frei ist. Ohne viel Stau kommen wir durch Berlin beim Hotel an. Die Suche nach einem Parkhaus gestaltet sich hingegen schwierig. Google zeigt mit drei in Nähe, doch letztendlich landen wir auf einem OBI-Parkplatz, einem Lidl-Parkplatz und einem Kaufland-Parkplatz. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Für gutes Geld stellen wir das Auto dann doch im Hotelparkhaus ab. Und schon da merken wir: Das Lollapalooza wird wohl ein teures Festival.lolla2

Am nächsten Morgen geht es zeitig los zum Treptower Park. Mit der S-Bahn dauert es auch nur fünf Minuten von Neukölln. Als wir aus der Bahn steigen, reihen wir uns im Strom der Menschenmassen ein. Eine Beschilderung wäre unnötig gewesen. Das Festivalbändchen holen und der Security Check geht fix. Beim Deichbrand hatte es das letzte Jahr ewig gedauert, doch beim Lollapalooza hatte man vorgesorgt. Es gibt genügend Mitarbeiter, die sich um den Einlass kümmern. Wir betreten den Treptower Park als alles noch schön ist. Die Puschkinallee, welche sich durch den Park zieht, ist gesäumt von Windmühlen. In den Bäumen hängen Lichterketten. Wir schauen uns das Gelände an. Vier Bühnen gibt es, viele Essens-Buden auch. Schon jetzt wird es schwierig auf alles einen Blick zu erhaschen, denn das Gelände füllt sich schnell.

Hilfe, es ist ein Kerl!

Der erste Act, den wir sehen wollen, ist Graham Candy. Wer das ist? Graham Candy ist die Stimme aus dem Song „She Moves“. Ich hatte ja immer gedacht, dass das eine Frau wäre. Also die Stimme. Aber nein, dahinter steckt ein kleiner, aber feiner Neuseeländer. Wir lauschen ihm eine Weile und machen uns dann auf dem Weg um Catfish and the Bottlemen zu sehen. Der Weg zurück von der Alternative Stage zur Main Stage 1 ist beschwerlich. Menschen. Überall sind Menschen. Vorzugsweise dort, wo Schatten ist. Doch es kommen immer noch mehr. Die Sonne knallt erbarmungslos auf uns herunter.

Also wird es Zeit etwas zu trinken. Die Preise sind ernüchternd: Eine 0,33l Cola-Flasche kostet 4€, ein Wasser 3€. Und das bei 33°C. Was muss das muss, also wird’s gekauft. Was das Essen angeht, ist das Angebot vielfältig. Gefühlt gibts einfach alles. Aber trotzdem sind irgendwann die Schlangen so lang davor, dass uns der Appetit vergeht. Ich stell mich doch keine Stunde für ne Handbrotzeit an. Da nipp ich lieber weiter an meinem Luxus-VIO-Wasser. YOLO. Irgendwann wirds dann doch noch ein Hot Dog. Das ist aber gar nicht mal so gut.

Den Rest des Tages verbringen wir damit mal hier und mal da zu lauschen. Aber eigentlich sind wir nur am warten: Auf die Kings of Leon. Als Philip Poisel die letzten Töne ins Mikrofon schluchzt (nein, ich übertreibe nicht. Der Herr war wirklich ein wenig am Wasser gebaut), machen wir uns auf der Suche nach einem schönen Platz für die Kings of Leon. Und dort warten wir dann. Eineinhalb Stunden. Auf meinem rechten Ohr werde ich von Paul Kalkbrenner beschallt. Auf den großen selfie-formatigen Bildschirmen kann ich sehen wie er an seinem DJ Pult rumfuchtelt. Monsieur Kalkbrenner verzieht dabei das Gesicht, als ob er große Schmerzen erleiden würde. Ein Grund, weshalb man vielleicht nicht diese Musik hören sollte.

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Menschen, Menschen, Menschen. Hilfe.

Und dann geht es los. Die Kings of Leon. Sie klingen wie auf Spotify und das Publikum ist größtenteils scheiße. Ja mal ehrlich. Wer das Konzert lieber auf den Bildschirm seines pekigen iPhone 6s sieht, der hat’s auch nicht verdient dort zu stehen. Und schon gar nicht, wenn die Handys bei „Use somebody“ in die Höhe schießen. Als ob’s nur diesen einen Song geben würde. Allen in allem ist das Konzert aber wunderbar. Schon lange wollte ich die Kings of Leon live sehen und ich wurde definitiv nicht enttäuscht.

Zurück zum Hotel gehts zu Fuß. Mit der S-Bahn zu fahren, das haben wir gar nicht erst versucht. Unser Weg führt uns durch’s nächtliche Berlin. Vorbei an diversen Spätis, wo es kein Fosters gibt. Über eine Brücke, auf der eine Gruppe junger Menschen picknickt. Mit Kerzenschein. Als wir beim Hotel ankommen, will ich einfach nur duschen und danach ins Bett fallen. Ich schaffe es den groben Dreck von meiner Haut zu entfernen als mir das heiße Wasser ausgeht. Ist ja wie auf dem Deichbrand. Und so gehe ich ins Bett, schlafe tief und fest und träume gut.

Massige Menschen

Auch am zweiten Tag ist das Lineup gut gefüllt. Uns interessiert besonders Milky Chance und Bilderbuch. Ich bin ein Fan von Milky Chance seitdem ich sie bei Chez Cora, einer kanadischen Frühstücks-Restaurantkette, auf dem Klo hörte. Eine deutsche Band aus Kassel, die es bis in die tiefste kanadische Provinz schaffte. Mannoman. Ein Jahr später hörte ich sie auch in Florida im Auto. An denen muss was sein, sonst würden sie ja nicht in Übersee gespielt werden, wa? Sehr gespannt waren wir auch auf Bilderbuch. Einst betraten sie als Vorband von den Beatsteaks die Bühne, so spielten sie letztes Jahr auf dem Deichbrand von einer mäßigen Publikum. Doch beim Lollapalooza war es voll. Sehr voll. Verdammt voll. Und verdammt heiß. Doch das Konzert war super. Zufrieden nippte ich an meiner 6€-Erdbeerbowle-im-Glitter-Glas. Yummy. Danach hieß es warten auf Milky Chance, die auf der gleichen Bühne spielten sollten. Auch bei Milky Chance war die Stimmung super und ich bin schon sehr gespannt auf das neue Album nächstes Jahr.

Danach wollten wir uns eigentlich noch die Beginner angucken. Doch um dort hinzu kommen, mussten wir uns wieder durch die Menschenmassen quetschen. Und darauf … hatten wir keine Lust mehr. Fazit: Die drei Konzerte, auf die wir lange hin gefiebert hatten, waren toll. Das Gelände war viel zu klein. Die Preise waren viel zu teuer. Und geglitzert hat’s auch noch überall. Noch mal hin? So nicht. Punkt.

Reminder: Noch 10 Tage … dann gibts auf kofferzuklein’s Instagram spannende Roadtrip Geschichten! :)


Mehr tolles Zeug, gibts hier:

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4 Gedanken zu “Zwischen Staub und Menschenmassen

    • Wenn diese Menge an Menschen über ein größeres Gelände verteilt gewesen wäre, dann wäre es gar nicht mal so schlimm gewesen. Ich hatte mich ja schon die ganze Zeit gefragt, weshalb die Karten nicht schneller ausverkauft waren. Nicht weil kein Interesse bestand, sondern, weil es einfach viel zu viele gab.
      Nein, ich hab mehr Acts gesehen. Aber das waren die drei, dir wir unbedingt sehen wollten bzw. die ausschlaggebend dafür waren, dass wir uns die Karten kauften.

  1. Ich war auch dort und fands richtig geil! Darüber berichtet habe ich auch. (siehe mein Blog, sofern Interesse besteht). Ich werds mir definitiv (sofern das LineUp stimmt) im nächsten Jahr wieder antun. Liebe Grüße! Und jetzt les ich mal weiter bei schauwerte.

  2. Die Zahl der Konzerte, die ich mir in früheren Jahren angesehen habe, hält sich in Grenzen. Eben wegen den Effekten, die du sehr schön beschrieben hast. Ich hab mich zwar darüber geärgert, dass ich nicht ein paar mehr mir zu Gemüte geführt hab, weil später eben die Bands, die ich immer schon sehen wollte, immer weniger wurden. Der Lauf der Zeit eben. Und so blieb es eben bei Supertramp, Toto und dergleichen. Es war eine schöne Zeit, ich möchte sie nicht missen. Aber Menschenmassen sind absolut eindeutig nicht mehr mein Fall.

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