Geflogen wird immer: Part III

Geflogen

Es ist Zeit sich wieder einmal denkwürdigen Flügen zu widmen. Heute geht es um einen ganz besonderen Flug. Einen Flug, den ich glücklicherweise nicht selbst miterlebt habe. Aber auch nur, weil ich noch nicht geboren war. Keine Sorge, es gibt ein Happy End. Denn sonst wäre ich ja jetzt nicht hier. 

Wir schreiben das Jahr 1986. Es ist das Jahr, in dem Clint Eastwood im kalifonischen Carmel zum Bürgermeister gewählt wird, man die Weltausstellung Expo in Vancouver eröffnet und Colin Baker seinen letzten Auftritt in der BBC-Traditionsserie Doctor Who innehat. Es ist das Jahr, in dem meine Eltern durch die USA reisten und irgendwann auch wieder nach Hause wollten.

Gebucht hatten sie einen wirklich günstigen Flug (1400 DM für insgesamt 7 Flüge) bei der Königlich Jordanischen Fluglinie, heute Royal Jordanian. Der Flug sollte von Newark (New York) nach Amsterdam gehen. Angefangen hatte die ganze Misere damit, dass der Flug mehrere Stunden Verspätung hatte – bevor es überhaupt losging. Warum? Das Flugzeug war noch nicht einmal in New York angekommen, denn der Abflug aus Amman hatte sich aufgrund einer dortigen Bombendrohung verspätet. Und ohne Flugzeug kann man bekanntlich ja auch nicht fliegen. Stattdessen mussten die Passagiere in Newark in einer Wartehalle ausharren, die bis auf die wartenden Passagiere und ein paar Ratten menschen- und tierleer war.

Als das Flugzeug dann endlich in Newark angekommen war und es theoretisch mit dem Boarding losgehen konnte, ging es immer noch nicht richtig los: Passagiere hatten anscheinend Gepäck abgegeben ohne selbst im Flugzeug zu erscheinen. Zumindest konnten diese im Flugzeug nicht ausfindig gemacht werden, obwohl eine Frau, die die Kofferabgeber wohl gesehen hatte oder kannte, mit einer Stewardess mehrmals durch das Flugzeug ging. Da die Passagiere nicht ausfindig gemacht werden konnten, mussten die Koffer schließlich entladen werden. Das dauerte dann auch noch mal eine ganze Weile, denn zunächst einmal mussten alle Koffer ausgeladen werden um die richtigen zu finden. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Flug schon mehrere Stunden Verspätung.

Als es dann endlich losging, konnte der ein oder andere es nicht fassen: Goodbye New York, wann werde ich dich wieder sehen? Die Antwort auf die Frage fand man schnell: Bereits eine Stunde nach dem Start musste das Flugzeug aufgrund von Triebwerkproblemen umkehren. Um was es sich dabei genau handelte, können meine Eltern nicht sagen. Ein paar Durchsagen im gebrochenen Englisch wurden zwar gemacht, aber verstanden haben das die meisten nicht. Vielleicht auch besser so, denn so war man erst beunruhigt als man während der Landung die Feuerwehrfahrzeuge anfahren sehen hat.

Die Landung verlief glücklicherweise glimpflich. Doch danach ging das große Warten weiter: Denn das kaputte Triebwerk musste natürlich repariert werden. Und natürlich durften die Passagiere dabei das Flugzeug nicht verlassen. Ich kann mir vorstellen, dass es kein schöner Anblick war, zu sehen wie die Mechaniker im Triebwerk lagen und daran rumschraubten. Damit wenigstens ein bisschen frische Luft mal herein kam, öffnete man irgendwann schließlich die Flugzeugtüren. Und damit die Passagiere nicht vollends schlecht gelaunt nach Amsterdam starten, wurde der Alkohol auch noch frei gegeben. Wohl bekommt’s! Nach einigen Stunden erklärten die Mechaniker das Triebwerk schließlich für repariert und die Maschine konnte wieder starten. Nun ja, so einfach war es dann doch nicht. Das Flugzeug wollte zwar wieder fliegen, die Crew jedoch nicht. Denn eigentlich war ihre Zeit rum. Aber nach einigem hin und her erklärten sie sich dann doch bereit. Und dann ging es auch endlich los.

Was muss das für ein Fluggefühl sein: Zu wissen, dass man mit einem geflickten Flugzeug und einer völlig übermüdeten Crew – inklusive Piloten – über den großen Ozean fliegen wird. Nun ja, die meisten Passagiere machten sich wohl keine Gedanken mehr darum. Freier Alkohol in luftiger Höhe – da kann man sich ja vorstellen, was da an Bord los war. Und diejenigen, die sich nicht dem Alkohol hingaben, versuchten sich darauf zu konzentrieren, nicht auf die Toilette zu müssen – denn  die funktionierte zu diesem Zeitpunkt bereits auch nicht mehr.

Zwischenzeitlich in Amsterdam: Dort wurde lediglich bekannt gegeben, dass der Flieger etwas verspätet sei. Wie lange und aus welchen Gründen erfuhr dort jedoch niemand. Irgendwie ist es ja schon verständlich, denn wie soll man auch eine Zeit angeben, wenn sich die Ankunftszeit immer weiter verschiebt? Und welchen Grund sollte man als Erstes nennen?

Doch irgendwann kamen sie schließlich doch an, in Amsterdam. Mit um die 12 Stunden Verspätung.


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2 Gedanken zu “Geflogen wird immer: Part III

  1. Oh Gott, das wäre für mich der absolute Albtraum gewesen – ich werde ja schon nervös wenn alles glatt geht :D Aber immerhin sind deine Eltern gut in Amsterdam angekommen, auch wenn der Flug vermutlich nicht der angenehmste war…und haben jetzt eine Story, die sie immer erzählen können. :)

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