Geflogen wird immer: Part II

flugzeugfliegen

Auf einer Reise passieren oft höchstamüsante Dinge. Und manchmal auch schon, wenn man noch nicht einmal am Zielort angelangt ist. Da ich jedes Jahr sehr oft fliege, habe ich mir gedacht, dass ich mich mal einigen Fluggesellschaften widme. Heute geht es um US Airways, KLM und British Airways. Und Windeln. Und verlorene Koffer. 

US Airways

 US Airways – die Airline, wo ich Mitleid mit der Crew habe. Nun ja, sie hatte es auch nicht leicht mit uns. Im Jahr 2008 machte ich mich nach Amerika auf, mit zwanzig anderen 15 und 16-Jährigen. Das es nicht gerade ruhig und gesittet im Flugzeug zuging, versteht sich eigentlich von selbst. Kissenschlachten, lautes Gejohle und Rumgezicke: Nicht nur die Crew tat mir Leid, sondern auch die anderen Passagiere. Da ist es auch kein Wunder, dass einer Stewardess da schon mal die Cola Dose aus der Hand fällt – direkt auf den Kopf einer pubertierenden Quasselstrippe. Mit einem Dachschaden ging es also nach Amerika, genauer gesagt nach Philadelphia. Dort sollte es nach der Einreise sofort weiter gehen, doch ein ziemlich starker Sturm hatte alle Hoffnungen zu nichte gemacht: Kein Weiterflug war an diesem Tag nach Knoxville, Tennessee möglich. Wir mussten also eine Nacht auf dem Flughafen verbringen. Wie aufregend – und unbequem! Jeder bekam ein Kissen und so eine silberne Decke, wie sie bei Unfällen genutzt wird. Ich glaube in dieser Nacht hatte ich höchstens eine halbe Stunde geschlafen. Am nächsten Morgen wussten wir immer noch nicht wann und ob es überhaupt weiter ging. Irgendwann war dann schließlich eine US Airways Maschine da, die nach Knoxville fliegen wollte. Natürlich waren unsere Tickets vom Vortag und die dazu gehörigen Sitzplatzreservierungen nicht mehr aktuell. Gab es neue? Pustekuchen. Ich weiß gar nicht mehr wie genau der Ablauf war, aber irgendwann sind wir alle im Gänsemarsch ins Flugzeug reingetrottet und hatten freie Sitzwahl. Das Flugzeug war bis auf den letzten Platz besetzt – und wo saß ich? Auf dem letzten Platz natürlich. Glück gehabt. Irgendwie hat mich das ganze eher an Busfahren als an Fliegen erinnert. Während wir ins Flugzeug eingestiegen sind, konnten wir übrigens genau sehen wie das Gepäck eingeladen wurde. Keiner unserer Koffer war dabei. IMG_4959

Der Flug selbst war dann auch noch mal abenteuerlich: Solche Turbulenzen hatte ich noch nie in meinem ganzen Leben. Und trotzdem zog die einzige Stewardess an Board ihr gesamtes Programm durch. Ist doch nicht so schlimm, wenn die Getränke hin und her schwappen, sich die Cola über Klapptische und Sitze ergießt. Hauptsache jeder Becher war – eben typisch amerikanisch – mit Eis gefüllt. Als die Stewardess schließlich in der letzten Reihe ankam, waren kaum noch Eiswürfel übrig. Geschmolzen wahrscheinlich von der Hitze, die die durch die Turbulenzen verängstigen Passagiere ausstrahlten. Die gute Dame war ganz schön erleichtert als ich sie beruhigte und sagte, dass ich keine Eiswürfel benötigen würde.

Am Flughafen in Knoxville angekommen, warteten unsere Koffer auf uns. Keine Ahnung wie die das gemacht hatten, denn eigentlich war mein Flieger einer der ersten, der Knoxville nach dem Sturm erreichte. US Airways, ein Mysterium.

KLM

Ich meine es war KLM, aber so ganz sicher bin ich mir auch nicht mehr. Ist ja auch schon eine ganze Weile her und ich meine es passierte auf meinem ersten Flug nach Hawaii. Es fing an zu tropfen. Direkt vor mir. Von der Flugzeugdecke. Fasziniert starrte ich einige Zeit dorthin. Ich sah wie sich langsam ein neuer Tropfen bildete und dann ohne großen Aufhebens heruntertropfte. Irgendwann wurden auch die Leute in der Reihe vor mir darauf aufmerksam – immerhin tropfte es schon seit einiger Zeit auf deren Kopf. Die hinzugerufene Stewardess schüttelte ratlos den ihren und wenige Minuten später versuchte der Pilot das Problem zu lösen. Gefährlich schien es zumindest nicht zu sein, denn es brauchte nur „abgedichtet“ zu werden. Und wie dichtet man so etwas mitten im Flug ab? Mit einer Windel natürlich, natürlich. Den Rest des Fluges klebte also eine Windel an der Flugzeugdecke. Netter Anblick, aber zumindest tropfte es nicht mehr. IMG_5468

Ein sehr denkwürdiges Erlebnis hatte ich im gleichen Jahr, auf der gleichen Reise. Und zwar auf dem Flug von Amsterdam nach Los Angeles. Die Sonne war soeben aufgegangen, das Hollywood Sign erstrahlte über LA (ja ja!) und die Landung stand kurz bevor. Sie stand sogar so kurz bevor, dass sogar die Landebahn schon in Sicht war. In sehr guter Sicht. Sehr, sehr guter Sicht. Eigentlich direkt unter uns, um Haaresbreite unter den Flugzeugrädern. Doch zum Aufsetzen kam es nicht, zumindest nicht beim ersten Versuch. Das Flugzeug startete noch einmal durch und drehte eine weitere Ehrenrunde. Der Grund: Keine Landeerlaubnis. Mannoman, das haben sie ja aber schnell bemerkt. Beim zweiten Versuch hat es dann schließlich doch noch geklappt.

Der letzte KLM Flug verlief nicht ganz so toll. Von Cardiff sollte es über Amsterdam direkt nach Hannover gehen. Bereits bevor der erste Koffer am Gepäckband auftauchte, wusste ich: Meiner wird nicht dabei sein. Und so kam es auch. Nach einigem Hin und Her tauchte er glücklicherweise am nächsten Tag wieder auf. Aber wo er zwischenzeitlich geblieben ist, weiß ich nicht. Fakt ist: Er wurde mit Lufthansa transportiert. Jedoch gibt es weder von Cardiff noch von Amsterdam eine Lufthansa Verbindung nach Hannover.

Und das war nicht das erste Mal, dass KLM einfach mal einen Koffer nicht mitnimmt. Schon vor einigen Jahren, schien man der Ansicht zu sein, dass mein Koffer nicht mehr ins Flugzeug passt – und man ließ ihn einfach neben dem Flugzeug stehen. War nicht so toll, das Gefühl das kleine  Teil einsam und verlassen auf dem Rollfeld stehen zu sehen. Aber anscheinend hat sich irgendjemand meinen Koffer erbarmt: Mit einiger Verspätung kam er dann auch irgendwann noch nachgeliefert.

British Airways

Da ich gerade beim Thema „Koffer weg“ bin, habe ich noch eine Geschichte aus dem Jahr 2004 zu erzählen. In diesem Jahr flog ich das erste Mal nach London und zwar mit BMI (British Midland Airways). Die Fluggesellschaft gibt es inzwischen nicht mehr und vielleicht lag es ebenfalls daran, dass sie mit Koffern nicht so gut umgehen konnten. Ich kam in London an, der Koffer nicht. Glücklicherweise wurde er direkt abends nachgeliefert: Mit British Airways.

Doch auch British Airways kann nicht immer gut mit Koffern umgehen. Letztes Jahr schafften sie es einen nagelneuen Koffer so sehr kaputt zu machen, dass er danach reif für den Schrott war. Sehr ärgerlich.

Ansonsten habe ich jedoch positive Erinnerungen an British Airways. Warum? Natürlich weil sie auf den Langstreckenflügen in die USA Doctor Who zeigten. Yeah! Kurzstrecke flieg ich zudem auch öfters mit BA, denn seit rund einem Jahr gibt es endlich (wieder) die Verbindung Hannover – London. Was will Madame mehr?

Die Fluggeschichten sind noch nicht vorbei: In „Geflogen wird immer: Part III“ geht es um einen höchst interessanten Flug von New York nach Amsterdam – wo wirklich alles dabei ist, was man sich von einem Flug nicht wünscht. Lediglich der Absturz fehlt. Wobei – wenn ich es mir genau überlege – einige Passagiere doch schon ein wenig abgestürzt sind. Was genau dahinter steckt, erfahrt ihr im dritten  Teil.


Noch mehr Fluggeschichten?

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16 Gedanken zu “Geflogen wird immer: Part II

  1. KLM hat es insgesamt schon 5x geschafft, die Koffer meines Partners (Vielflieger) woandershin zu transportieren. Allerdings sind die großzügig, wenn man sich beschwert, reklamieren lohnt sich auf jeden Fall!

  2. Habe mich gerade so gekugelt über Deinen Beitrag. Bin selber bis jetzt nur 1 x in meinem Leben geflogen und daran kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Hast einen sehr schönen Schreibstil und das macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Freue mich auf Part III!

  3. Ich fliege im Vergleich zu dir wirklich wenig. Aber solche Geschichten sind mir noch nie passiert. Jedes Flugzeug kam pünktlich (außer einmal, bei plötzlichem Wintereinbruch in Frankfurt Hahn), alle Koffer waren immer da, keiner beschädigt, kein ausgefallener Flug, keine pöbelnden Gäste, der mitgenommene Designer-Kinderwagen ordentlich wiederbekommen… Das höchste der negativ zu berichtenden Gefühle war mal mein sich übergebender Mitreisender.

    Aber ich gebe zu, die an der Decke klebende Windel hätte ich zuuuuu gerne gesehen. :-D
    LG, Britta

    • Den übergebenden Mitreisenden hatte ich auch schon Mal. Auf einem zwölfstündigen Langstreckenflug :D
      Ich glaub bei mir macht es im Endeffekt wirklich die Menge, die ich geflogen bin. Oder ich ziehe einfach schon solche Erlebnisse wie ein Magnet an, das kann natürlich auch sein :D

  4. Hey klasse Artikel! Du sprichst mir echt aus der Seele: Mein Vater wohnt in einer anderen Stadt schon seit ich 4 bin und seitdem fliege ich mindestens 6 mal im Jahr zu ihm. Da hatten sich dann bis ich 12 war ganz schön viele Meilen anzusammeln, genug um 3 Nintendos einzulösen. Wollte ich auch machen. Wenigstens einen erstmal. Als ich dann voller Vorfreude das Packet von der Lufthansa in den Händen hielt, dachte ich schon ein Kindheitstraum geht in Erfüllung. War dann aber doch nicht so: Ich hatte durch einen Systemfehler eine Apfelsaftpresse zugeschickt bekommen. Konnte auch nicht umgetauscht werden. Der Apfelsaft schmeckte sche*ße aber ich hab wenigstens zum nächsten Weihnachten meinen rosa Nintendo DS bekommen. Tja Fluggesellschaften…

    • Typisch Lufthansa, sag ich da nur! Dass das nicht umgetauscht werden konnte, ist echt ein starkes Stück. Aber nur selten tut Lufthansa wirklich etwas für die eigenen Kunden. Das Vielfliegerprogramm, wo du dran teilgenommen hast, war bestimmt Miles & More, oder? Mein Tipp (falls du immer noch Meilen sammelst): Die gesammelten Meilen lieber für eine Reise aufsparen und dann lieber umsonst fliegen anstatt die Meilen für eine Prämie einzutauschen. Für die gleiche Anzahl an Meilen für ein iPhone 6 könnte man beispielsweise umsonst nach Hawaii fliegen. Diese Umrechungsmechanismen, die die Lufthansa da anwendet, sind echt erstaunlich.

  5. Reisen mit dem Flugzeug: Frühstück in Paris, Mittagessen in London, Abendessen in Moskau und Koffer in New York. :-)
    Ja, die Amis und ihre Eiswürfel… ohne Worte, das muss man einfach selber erlebt haben.

  6. Solche KLM-Stories haben wir auch – massig! Nicht mitgeflogene Koffer, Koffer, die kaputt gemacht wurden und keiner wollt’s gewesen sein, chaotische Zustände an den automatischen Eincheck-Terminals. Bis jetzt war bei jedem KLM-Flug immer irgendwas. Das einzig gute ist, zu wissen, dass einen das Pech dabei nicht exklusiv trifft :-)

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