Kanada: Die Episode in der es regnet und ich den ersten Bären sehe.

„Atemlos .. durch die Nacht!“ Helene mach mal halblang.

Ich fühle mich nicht atemlos, sondern orientierungslos. Ich bin irgendwo in Kanada. Hinter Vancouver. Richtung Kamloops. Aber es fühlt sich an, als ob wir seit Stunden im Kreis fahren würden. Alles was ich sehen kann sind in Wolken und Nebel verhüllte Berge. Und Regen. Jede Menge Regen. Es sind fünf Grad und ich trage Flip Flops und ein Sommerkleidchen. Meine Jacke liegt ordentlich zusammengepackt im Koffer. Wer hätte denn auch ahnen können, dass der Sommer in Kanada sich dazu entscheidet zu verschwinden, wenn ich eintreffe? Unmöglich.

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Nebel, Niesel, Nolken.

Ich beginne das sommerliche Wetter in Deutschland zu vermissen und denke an den letzten, unfreiwilligen Abend zurück. Hugo. Alster. Sonnenschein. Doch alles was ich jetzt habe, ist eine trockene Kehle und Wolken, die tief über den Bergen hängen. Oh, und Schnee. Ja, auf den Bergen liegt Schnee. Ich denke zurück an den Yosemite Park 2010. Da lag auch Schnee. Doch da schien auch die Sonne. Kanada, enttäusch mich nicht.

Wir schaffen es nicht bis nach Kamloops und suchen uns schließlich in Merritt, etwa 80km vor Kamloops gelegen, ein Hotel. Es ist bereits 21 Uhr und ich bin total fertig. Mein Gott, ich werde definitiv zu alt für den Scheiß, denke ich mir als ich todmüde ins Bett falle.

Von noch mehr Regen und Kettenrestaurants

Der Wetterumschwung am nächsten Morgen bleibt wie erwartet aus. Die Fahrt nach Kamloops ist ereignislos. Regen und Nebel und ein paar waghalsige Trucks, die uns überholen. Ach, macht doch. Mir doch egal. Ich hab Hunger. Gehalten wird also in Kamloops bei einem Denny’s. Es folgt eine kurze Abhandlung über Kettenrestaurants:

Normalerweise find ich Kettenrestaurants nicht gut. Sie sind Schuld, dass sich kleinere, individuelle Restaurants nicht halten können. Aber sowie die USA liegt auch Kanada in vielen Städten bereits in Ketten. Es gibt eigentlich kaum noch Alternativen .. Und manchmal ist es einfach einfach, den einfachen Weg zu gehen. Exkurs Ende.

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Mein Frühstück bei Dennys

Bei Dennys bestelle ich mir mein typisch amerikanisches Frühstück: Scrambled Eggs, sausage links, hashbrowns und white toast. Ich weiß, dass ich dieses Frühstück schon in wenigen Tagen nicht mehr sehen werde können. Aber für den Moment schmeckts mega gut.

Die Fahrt geht weiter und führt uns wahrscheinlich an wunderschönen sehen, beindruckenden Bergen und interessanten Landschaften vorbei. Sehen können wir aufgrund des Regens immer noch kaum etwas. Es ist sogar so langweilig, dass ich mich freiwillig ans Steuer setze. Vielleicht hat man von da vorne mehr Sicht. Es bleibt beim ‚vielleicht‘.

Gegen späten Nachmittag kommen wir in Golden an. Ich weiß gar nicht mehr, weshalb ich die Stadt als Zwischenstop auserkoren hatte. Wahrscheinlich nur, damit die Strecke am nächsten Tag (durch den Banff Nationalpark bis nach Calgary) nicht so lang sein würde. Golden war eine typisch amerikanisch-kanadische Kleinstadt: Eine Straße und links und rechts Tankstellen, McDonalds, Tim Hortons und die altbekannten Hotel/Motelketten. Diniert wurde im Country ABC Restaurant. Ich hatte Mac&Cheese mit Caesar Salad – der geht immer. Nach dem höchst ereignislosen Tag falle ich wieder todmüde ins Bett – blame it on the jetlag, baby.

Bärig schön

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Berg vs. Wolke

Sonne. Irgendwo. Dahinten. Hinter der Wolkenschicht. Da muss sie doch sein. Vorsichtshalber checke ich auf meinem Handy die Nachrichten. Nein, es gibt keine Berichte über eine dauerhaftanhaltende Sonnenfinsternis über Kanada. Das Wetter ist schlichtweg scheiße. Doch was bleibt uns anderes übrig als loszufahren und auf das Beste zu hoffen? Ich schlüpfe in meine Flip Flops, ziehe mir so viele Tops wie es geht über und setze mich bei 3 Grad ins Auto. Die Hoffnung auf besseres Wetter ist noch nicht ganz erloschen.

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Lake Louise mit Gletscher im Hintergrund

Aber irgendwie hat er auch was, der Nebel. Wie er so langsam den Highway hochkriecht, sich um die Kurven schlängelt und den Autofahrern auflauert. Wirklich. Faszinierend. Doch genug über den Nebel und Regen gesprochen: In Banff gehe ich endlich shoppen und decke mich mit festen Schuhen, Jacke und Weste ein. Einem Murmeltier zum verwechseln ähnlich, fahren wir zurück nach Lake Louise. Und ein Wunder geschieht: Es hört auf zu Regnen und die ersten Sonnenstrahlen kommen durch. Da wird einem gleich ganz warm ums Herz. Und sonst auch. Der See ist wirklich schön und entspricht ganz meinen Pinterest-geprägten Vorstellungen. Doch das wirklich Interessante passiert wenige Minuten später.

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Der erste Bär – ein Grizzly!

Zurück zum Lake Louise Visitor Center stockt der Verkehr vor uns. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, was das bedeutet. Doch nach wenigen Augenblicken sehen wir es. Oder ihn. Den Bärenhintern. Und dann auch den ganzen Bären, als er sich schließlich dreht. Er befindet sich an einem Berghang, ca. 100m von uns entfernt. Vollkommen unbeeindruckt schnüffelt er durch die Gegend. Ich bin froh, so schnell den ersten Bären zu sehen. Während der letzten Wochen hatte ich mir oft Petras Blog durchgelesen und sie hatte auf ihren Kanadareisen oftmals das Glück viele Bären zu sehen.

Insgesamt war es ein toller Tag: Der Regen hörte auf, die Sonne kam etwas raus und ich sah meinen ersten Bärsen. So kann es doch weiter gehen, oder?

 

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2 Gedanken zu “Kanada: Die Episode in der es regnet und ich den ersten Bären sehe.

    • Zum Glück war nur der erste Bär weit weg. Insgesamt habe ich es immerhin auf sieben Bären gebracht und der letzte war ebenfalls weniger als 3m von unserem Auto entfernt. Einmal hatte ich auch das Glück eine ganze Bärenfamilie zu sehen, ein tolles Erlebnis. Die Einträge darüber und die Fotos kommen noch.

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