Über Reiseblogs und journalistische Ansprüche

„Reiseblogs gibt es wie Sand am Meer.“

Diese Aussage stammt von mir. Zu finden ist diese, doch sehr subjektive Aussage, unter anderem in einer schriftlichen Prüfungsleistung – obwohl ich sie noch nicht einmal belegen kann. Denn einen Beleg, wie viele Reiseblogs es wirklich gibt, hatte ich nicht gefunden. Schade, ich stehe normalerweise sehr auf Statistiken. Aus meiner rein subjektiven Sicht überwiegen bei den Reiseblogs die „Work&Travel“ und Au Pair Blogs. Na klar gibts davon viele – die Reisenden wollen ja schließlich stets die Daheimgebliebenen über die neuesten Abenteuer informieren. Wäre ich längere Zeit im Ausland, würde ich es ebenso tun.

Es gibt jedoch eine Reisebloggerin, die ich schlichtweg beneiden muss. Ihr Name ist Brooke Saward und sie kommt ursprünglich aus Australien. Seit geraumer Zeit lebt sie jedoch nur noch aus dem Koffer – und bereist die Welt. Begonnen hat es mit einem ganz normalen Reiseblog, doch dann ging sie Kooperationen mit Marken und Tourismusfirmen ein und machte deren Produkte so durch ihre Reisen und durch ihr Reiseblogging bekannt. World of Wanderlust nennt sich ihr Blog. Inzwischen hat sie auch schon ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben. worldofBrooke Saward erlebt eigentlich das, wovon ich träume – dachte ich zumindestens: Die ganze Zeit unterwegs sein und jedes Land und jeden Kontinent kennen lernen. Doch, ich bin angehende Journalistin. Und journalistische Neutralität ist mir wichtig – Subjektivität gestatte ich nur mir selbst in manchen Dingen; aber von anderen reinreden lasse ich mir nicht.

Wenn ich also Reisejournalistin wäre und eine Einladung von einem Luxushotel in der Karibik bekommen würde, würde ich es dann schaffen neutral zu bleiben? Ich persönlich schon, aber meine Karriere als Reisejournalisten würde bestimmt nicht sehr lange währen – denn natürlich würde das Hotel wollen, dass ich durchweg positiv darüber berichte. Aber wenn ich das nicht kann, dann kann ich es eben nicht. Anderes Beispiel: Ich hätte nie etwas auszusetzen, alles würde mir gefallen. Würde das dann nicht auch nach einiger Zeit zu positiv wertend wirken? Oder habe ich dann selbst meine Maßstäbe schon anders gesetzt? Und drittens: Ich bin kein Luxusmensch. Natürlich, die All-In Urlaube in der Karibik habe ich genossen. Aber in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass ich mehr zum Road Trip Reisenden geworden bin. Doch auch da kann ich in die journalistische Falle tappen. Wie wäre denn ein Road Trip mit einem niegelnagelneuen Jeep als Testwagen? Würde ich es da schaffen neutral zu bleiben? Neutralität ist nicht leicht, wenn gleichzeitig der Job eine anerkannte Reisejournalistin zu sein, auf dem Spiel stehen würde. Ich bin ehrlich; ich weiß nicht wie die Welt da draußen tickt. Nun ja, ich hatte Kostproben von Radio und Fernsehen und inzwischen bin ich im Printbereich gelandet und schreibe für eine Handwerkszeitung. Wie es im Reisejournalismus selbst aussieht, weiß ich nicht. Aber ich stelle es mir wie ein zweiseitiges Schwert vor. Ein extrem scharfes zweiseitiges Schwert.

Brooke Saward ist keine Journalistin. Sie ist eine Reisende. Von mir aus darf sie daher ihre Reisen auch so ausleben, wie sie es tut und darüber berichten, wie sie es tut. Aber, wie oft musste ich den Satz, „Journalist kann jeder sich nennen“ schon hören. Das stimmt. Und deshalb ist es wichtig, dass man trotzdem als Leser die Texte hinterfragt, sich Gedanken macht.

Hier findet ihr den Link zur World of Wanderlust – einer ordentlich, strukturierten Website. Und garantiert ohne Rechtschreibfehler. Aber hey, ich hab sie gerne. Meine Rechtschreibfehler. Und jetzt werde ich wieder unseriös.

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2 Gedanken zu “Über Reiseblogs und journalistische Ansprüche

  1. Reiseblogs gibt es fast zu viele.
    Häufig werden ein paar persönliche Erlebnisse berichtet, in Kombination mit einer Ladung Fotos.
    Ich bin ständig auf der Suche nach Reise-Blogs, die versuchen, mehr Hintergrund zu liefern und nur wenige, gute Fotos beinhalten.

    • Der Grund, weshalb es so viele Reiseblogs gibt, ist, dass eben viele sich einen Blog erstellen um den Daheimgebliebenen über die Reise zu berichten, was ja auch vollkommen in Ordnung ist. Ist die Reise vorbei, ist meistens auch die Zeit des Bloggens vorbei.
      Ich selbst versuche bei meinen Reiseberichten inzwischen in die Tiefe zu gehen oder die Geschichten an einem speziellen Aspekt aufzuziehen. Zudem bin ich momentan auch auf der Suche nach Blogs, wo es nicht mehr nur um eine Aufzählung von Orten, an denen man war und kurze Backgroundinfos geht, sondern um interessante Erlebnisse.

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