Ich tausch dann mal mein Haus.

In einem fremden Haus  Urlaub machen und gleichzeitig sein eigenes Haus einer fremden Familie überlassen – das ist für die 15 Jährige Tessa Normalität. Seit Jahren macht ihre Familie beim Haustausch mit. Ob in Deutschland oder im Ausland: Wenn Tessas Familie reist, wird nicht im Hotel genächtigt sondern im Haus von Einheimischen. Diese machen dann zur gleichen Zeit Urlaub in dem Haus von Tessas Familie. Was Tessa schon alles erlebt hat – von Leguanen bis Katzen mit chronischen Schnupfen – lest ihr im folgenden Interview. 

Tessa

© Tessa

Kofferzuklein hat mal nachgefragt.

Wer ist auf die Idee mit dem Haustausch gekommen?

Meine Eltern haben nach einer preiswerten Alternative zum „normalen“ Urlaub im Hotel oder Ferienhaus gesucht und sind im Internet auf eine Seite namens Homelink gestoßen, über die man die Haustausch-Urlaube organisieren kann. Das war uns anfangs erst mal ein bisschen suspekt, wer würde schon freiwillig Fremde in seine Wohnung lassen? Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.

 

 Mit wem reist du?

Immer mit meinen Eltern und meiner kleinen Schwester. Und meine beste Freundin kommt, wenn es passt, auch gern mit.

 

Wie findet ihr eine Haustauschfamilie?

Das ganze läuft über eine Internetplattform namens Homelink. Dort erstellt man eine Seite zu seinem Haus bzw. zur Wohnung mit einer Beschreibung, Bildern, aber auch bevorzugten Tauschregionen und Bildern der Tauschfamilie. Um eine Tauschfamilie zu finden, gibt es dann zwei Wege: entweder man sucht über eine Suchfunktion nach einer passenden Tauschfamilie und schreibt diese dann an, oder man wird von einer Familie abgeschrieben. Dann muss natürlich geklärt werden, ob die Wünsche beider Familien zusammenpassen; wenn beide Kinder haben, müssen zum Beispiel die Ferien zusammenpassen. Und dann muss geklärt werden, ob die Autos mit getauscht werden, Haustiere zu versorgen sind oder auf was eben alles noch geachtet werden muss. Bei uns hat es leider noch nie geklappt, dass wir nach unseren Wünschen urlauben konnten – es hat immer nur dann geklappt, wenn uns andere Familien angeschrieben haben.

 

Seit wann macht ihr das?

Das genaue Jahr weiß ich gar nicht mehr, ich glaube, 2005 oder 2006 haben wir angefangen.

 

Welche Vorteile hat diese Art des Reisens?

Es auf jeden Fall preisgünstiger. Man muss kein Hotel bezahlen, maximal die Anreise. Außerdem lebt man wie ein Einheimischer, nicht abgeschottet von der Außenwelt wie in einer Ferienanlage sondern quasi „mitten drin“, und das ist meistens sehr interessant. Meistens sind die Nachbarn auch sehr freundlich und man hat von Anfang an Kontakte. Und ganz ehrlich, wer ist nicht neugierig auf die Lebensweise anderer Leute? Und zum Beispiel in unserem letzten Tauschhaus hatten wir eben die typisch umständliche englische Haushaltstechnik, die man als normaler „Touri“ nicht zu sehen bekommt. Und man kann auch immer wieder neues ausprobieren – ob nun die hauseigene Alarmanlage, den amerikanischen Fuhrpark, die Wii oder die Versorgung von Leguanen.

 

In welchen Ländern oder an welchen Orten seid ihr schon gewesen und habt einen Haustausch gemacht?

Unser erster Haustausch führte uns nach Südengland in das kleine Haus einer älteren Dame, bei der wir zwei Katzen mit chronischem Schnupfen zu versorgen hatten. Diesen Urlaub werde ich wohl nie vergessen. Dann waren wir zwei mal in Kanada, beim ersten Mal in Niagara, also direkt an den Fällen, und beim zweiten Mal auf Vancouver Island. Zwischendurch haben wir immer nur innerhalb von Deutschland getauscht, meistens in den Herbst-, Winter- oder Osterferien. Später waren wir noch in Irland und dann haben wir erst mal eine Pause eingelegt. Unsere letzten Urlaube waren Hessen (nicht mein Lieblingsurlaub) und dieses Jahr zu Ostern Cardiff in Wales. Da war dann auch meine Freundin mit.

 

Welche Reise war bisher am Schönsten?

Ich habe keinen direkten Favoriten (okay, das ist die absolute Durchschnitts-Antwort) aber es gibt zumindest ein paar Urlaube, die ich als besonders schön in Erinnerung habe: Kanada auf Vancouver Island, weil wir unglaublich viel erlebt haben, inklusive Whale-Watching und einer Kanu-und-Regenwald-Privat-Tour mit einer Indianerin, später in Kassel ein Urlaub, der eigentlich gar nicht spektakulär war, aber in dem ich zwei Meerschweinchen versorgen durfte und ein Trampolin im Garten hatte…und natürlich unser letzter Urlaub in Cardiff, weil meine Freundin dabei war und unser Haus nahezu ein Schloss war!

 

Hattet ihr auch schon mal richtig Pech?

Einen komplett versauten Urlaub hatten wir noch nie, aber schon oft (vor allem haustierbedingt) ein Sauberkeitsproblem. Wir haben keine Haustiere, und dann ist es eine große Umstellung, in ein Haus zu kommen, in dem vorher drei Hunde gewohnt haben -und von denen dann überall noch Haare kleben- aber irgendwann gewöhnt man sich an alles. In unserem ersten Urlaub hatten wir ja zwei verschnupfte Katzen, und denen musste man die Nase putzen…ich fand es als kleines Kind lustig, meine Eltern anfangs eher nicht. Diese Katzen waren es auch gewöhnt, ihr Herrchen morgens um sieben zu wecken, indem sie auf das Bett sprangen und sich nicht vertreiben ließen, bis sie ihr Frühstück hatten…:D

Naja, meiner Meinung nach alles eher Lappalien, mein größtes Problem hatte ich in Hessen mit den Heimchen, die wir verfüttern sollten an irgendwelche Terrarienbewohner, deren Name ich vergessen habe…die sind nämlich ausgebrochen und saßen dann in meinem Bett.

 

Macht ihr auf jeder Reise einen Haustausch?

Nein, das lässt sich schwer kalkulieren, weil man ja eine Familie finden muss. Deshalb planen wir auch immer sehr lange im Vorraus. Dieses Jahr im Sommer zum Beispiel tauschen wir nicht, sondern fahren nach Bornholm in ein Ferienhaus

 

Was ist das für ein Gefühl in einem fremdes Haus zu wohnen?

Man kommt sich schon ein bisschen fremd vor am Anfang, aber irgendwann ist es dann wie ein richtiges Zuhause. Natürlich gibt es Grenzen, die man nicht überschreitet, ich würde nie in der Sockenschublade wühlen oder so, aber das beruht ja auf Gegenseitigkeit -es gehört immer eine Menge Vertrauen dazu, jemanden in die eigene Wohnung zu lassen. Und dieses Vertrauen sollte man nicht missbrauchen.

 

Schon die nächste Reise geplant?

Bis jetzt noch nichts konkretes, aber schon Wünsche: Frankreichs Südküste wäre toll, oder Holland.

 

Ihr wollt mehr von Tessa lesen? Kein Problem, denn natürlich bloggt sie ebenfalls. Zu Tessas Sommerwiese geht es hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s